Forscher: Österreich könnte Schweineseuchen gut eindämmen

Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern ist der Handel mit Schweinen zwischen österreichischen Betrieben nicht sehr stark ausgeprägt. Das bringt laut Wiener Komplexitätsforschern den Vorteil mit sich, dass eventuell auftretende Seuchen vergleichsweise gut eingedämmt werden könnten, berichteten sie kürzlich im Fachblatt “Scientific Reports”. Das höchste Risiko besteht demnach in Oberösterreich und der Steiermark.

Werden Schweine munter zwischen Betrieben gehandelt, ist das nicht nur für die Tiere mit viel Stress verbunden, es erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich Infektionskrankheiten rasch verbreiten. Eine Art “Landkarte des Schweinehandels” in Österreich erstellten nun Forscher des Complexity Science Hub (CSH) Wien, der Veterinärmedizinischen Universität Wien und der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), um herauszufinden, wie stark die Vernetzung hierzulande ist, heißt es am Mittwoch in einer Aussendung des CSH.

Die Wissenschafter konnten “anonymisierte Bewegungsdaten von Schweinen” analysieren, die zwischen 2015 und 2021 gehandelt wurden: “Diese Daten umfassen alle Verbringungen von der Geburt bis zum Schlachthof”, so die Studien-Erstautorin Gavrila A. Puspitarani vom CSH und der Vetmeduni. Insgesamt gibt es demnach in Österreich jährlich rund 250.000 Schweinetransporte.

Bundesländerübergreifende “Verbringungen” selten

Die Analyse zeigt, dass solche “Verbringungen” bundesländerübergreifend recht selten sind, also großteils innerhalb eines Bundeslandes transportiert wird. Anders als etwa in Deutschland und Frankreich sei das Handelsnetzwerk in Österreich nicht stark vernetzt. Das seien gute Voraussetzungen, um zu verhindern, dass sich Krankheiten überregional schnell ausbreiten.

Das größte Risiko für größere Ausbrüche bestehe in Oberösterreich und der Steiermark. Die beiden Bundesländer vereinen gemeinsam 46 Prozent der am stärksten untereinander vernetzten Betriebe. “Wenn dort eine Infektionskrankheit ausbricht, könnte sie sich schneller ausbreiten als beispielsweise in Vorarlberg, wo die Schweine- und Betriebsdichte viel geringer ist”, so die Studien Co-Autorin Amélie Desvars-Larrive.

Alles in allem erziele Österreich einen hohen Grad an Selbstversorgung mit Schweinefleisch, außerdem liegt der Anteil an Betrieben, die weniger als fünf Tiere halten, bei 60 Prozent. Große Mastbetriebe seien eher selten. Das System bezeichnen die Forscher daher als “sehr stabil”. Das bringe wiederum gute Voraussetzungen mit sich, um zum Beispiel Tierärzten “bei der Entwicklung von datenbasierten Ansätzen zur Kontrolle von Krankheiten und zur Erleichterung von Präventionsmaßnahmen” zu helfen, so Desvars-Larrive.

Service: https://doi.org/10.1038/s41598-023-36596-1